Editorial

Solist oder Orchester?

Liebe Kollegen,

da ich aus einer Familie stamme, die schon seit immer in der Welt des Speiseeises tätig ist – mein aus Zoppè di Cadore stammender Großvater mütterlicherseits entschloss sich, nachdem er als Straßenhändler in S. Margherita Ligure gearbeitet hatte, nach Witten/ Ruhr auszuwandern, wo er 1930 sein erstes Eiscafé eröffnete – und da ich das Glück habe, eine Fotodokumentation zu besitzen, die das Leben meiner Familienmitglieder und in den letzten Jahrzehnten auch meines Lebens nachvollzieht, kann ich einige Konzepte vertreten, wobei ich denke, damit nicht falsch zu liegen. Wenn ich meine Fotos mit anderen aus demselben Zeitraum vergleiche, stelle ich unbestreitbare Ähnlichkeiten fest.

Die “Läden” waren alle gleich eingerichtet: die gleichen Schilder, fast immer Venedig, Cortina, Dolomiten …, die gleichen Vorhänge an den Fenstern, die gleichen Fotos oder Bilder mit Themen, die auf Venedig, Cortina oder die Dolomiten verwiesen…

Sie befanden sich am Hauptplatz der Städte und in der Nähe des Kinos, dass heißt an strategischen Stellen.

Die dort arbeitenden Personen waren alle ähnlich gekleidet, untereinander sprachen sie dieselben Dialekte und das Eisprodukt war, da sie einer gemeinsamen Schule entstammten, sehr ähnlich hinsichtlich der Zutaten wie auch hinsichtlich der Produktionsverfahren.

Ohne es zu wissen und auch wenn jeder die eigene Charakteristik als Handwerker beibehielt, hatten sie in ganz Deutschland ein gemeinsames Image geschaffen, das vom Standpunkt des Verbrauchers aus gesehen, all diese einzelnen Geschäfte einte und ihm beim Besuch anderer Städte das Gefühl gab, “zu Hause” zu sein. Diese Idee ist wieder aufgenommen und systematisch angewandt worden von Ketten, in denen sich mehrere Branchenmitglieder an gemeinsame Richtlinien halten und so ein gemeinsames Image schaffen, um sich dem Markt zu präsentieren.

In den letzten Jahren haben wir in unserer Welt ein wenig diesen Pluspunkt, uns dem Verbraucher in eindeutiger Weise zu präsentieren, verloren. Jeder versucht nach seiner legitimen Entscheidung, einzigartig und unnachahmlich zu sein, sich auf seine ganz eigene Art und Weise zu präsentieren; einigen gelingt dies hervorragend, andere tun dies auf weniger effiziente Weise.

Der Umstand, Teil eines Verbands zu sein, muss uns in einem bestimmten Standard vereinigen und so auf einen gemeinsamen Nenner bringen, dass die Kommunikation erleichtert wird: ähnliche Kleidung des Personals, Produktionssystem mit präzisen Angelpunkten, Verwendung von Rohstoffen mit zertifizierter Rückverfolgbarkeit, Pasteurisierung für Sorten auf Milchbasis, einige Angebote von gemeinsamen Produkten (Spaghetti-Eis mit Soße aus frischen Erdbeeren, Eissorte des Jahres…), Einhaltung des HACCP-Systems und Mitteilung darüber, eindeutige Information für den Kunden….

All diese Dinge, die wir vielleicht schon tun, werden, wenn sie auf nationaler Ebene kollektiv und nicht einzeln herübergebracht werden, ein gemeinsames Image schaffen, das nicht nur der gesamten Berufsgruppe, sondern sehr viel mehr dem einzelnen Speiseeishersteller Vorteile bringen wird.

Ich wünsche Euch eine schöne Saison mit viel Gesundheit und Zufriedenheit.

Dario Olivier

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