Editorial

Und wenn unsere Kinder nicht Eismann werden wollen?

Liebe Mitglieder,

es ist noch gar nicht so lange her, da wurde der Sohn des Notars auch Notar, der Sohn des Bäckers wurde Bäcker, der Sohn des Apothekers wurde Apotheker und der Sohn des Speiseeisherstellers wurde Speiseeishersteller, wodurch eine Kontinuität des Geschäfts durch die Familie garantiert wurde.

Die Eltern halfen dem Sohn, nach und nach seinen Platz zu finden und das Unternehmen selbstständig zu führen, bis es vollkommen in seine Hände gelegt wurde, nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass er zur selbstständigen Bewältigung seiner Aufgaben in der Lage war. Heute hat sich einiges geändert. Viele Selbstständige und Handwerker befinden sich nun in der Situation, das eigene Geschäft an nicht zur Familie gehörende Personen mit völlig anderen Situationen und Problemen abgeben zu müssen, wodurch auf vollkommen andere Weise vorgegangen werden muss.

Das erste Problem ist, einen Nachfolger zu finden, der die Arbeitsweise seines Vorgängers nicht vollständig umstellt und vor allem, dass eventuelle Verbesserungen langsam und nicht auf drastische Weise und gleichzeitig eingeführt werden.

Der Kunde erlebt schon das “Trauma” des Inhaberwechsels und wird sich, wenn er nicht mehr dasselbe Ambiente, dieselben Produkte und dieselbe “Atmosphäre” vorfindet, nicht mehr zu Hause fühlt. Dies könnte dazu führen, dass er seine Gewohnheiten ändert, was verheerende Auswirkungen für das Lokal haben könnte, das innerhalb kurzer Zeit ohne “alte” Kunden und wahrscheinlich auch ohne “neue” Kunden dasteht. In Deutschland gibt es eine altbewährte Methode, die in Europa Schule macht, um neue Generationen Handwerke und Berufe erlernen zu lassen. Es gibt Berufsschulen, die zusammen mit den Unternehmen über ein duales System die jungen Leute auf ihrem Berufsbildungsweg begleiten. Die jungen Leute werden praktisch nach der Schulzeit in einem Kurs mit einer Dauer von drei Jahren für ein Handwerk oder einen Beruf spezialisiert.

Dieses System ist fest in der deutschen Mentalität verankert und es ist normal, dass junge Menschen nach der Pflichtschulzeit, wenn sie nicht studieren, einen Ausbildungsplatz suchen müssen.

Können und Veranlagung sind natürlich ausschlaggebend für die Wahl des zukünftigen Berufes.

Wenn wir nun unter unseren Mitarbeitern einen jungen Menschen hätten, der das Handwerk des Speiseeisherstellers freiwillig gewählt und nach der Ausbildungszeit erfolgreich eine Berufsqualifikation erlangt hat, wäre das nicht der ideale “Nachfolger”, falls wir unser Geschäft abgeben wollten? Seit zwei Jahren ist all das möglich, aber nur wenige von uns haben es gemacht! Vielleicht haben nicht alle die Wichtigkeit verstanden, die die Berufsausbildung auch für den Generationswechsel hat!

Da man sich auf deutschem Gebiet bewegt, denkt der Verband, das die Berufsausbildung machbar sein sollte, auch um unserem Handwerk Kontinuität zu geben, da es sonst in die Hände von schlecht ausgebildeten Unternehmern fallen könnte, die dem gesamten Berufsstand Probleme bereiten könnten.

Ich wünsche allen ein schönes Saisonende.

Dario Olivier

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