Handwerklich hergestellte Speiseeis

Ein Kügelchen geht noch

Gelatieri: Immer nur Vanille ist doch öde. Warum nicht mal ein Eis mit Basilikum oder Lavendel testen?

Was Köche oder Chocolatiers können, können Gelatieri schon lange. Die Küche, die Konditorei und die Eisdiele sind längst zum Experimentierfeld geworden. Fisch und Fleisch werden mit allen erdenklichen Gewürzen und Früchten kombiniert, Schokolade gibt es mit Chili und Ingwer. Und Eis? Da muss Annalisa Carnio erst mal Luft holen. „Weinbergpfirsich mit Lavendel, Zitrone mit Limetten- und Basilikumsorbet, Orange mit Rosmarin-Heidelbeer, Olivenöleis mit Passionsfrucht marmoriert, Rhabarbersorbet mit Campari“, zählt die Pressesprecherin der Uniteis, dem Verband der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland, nur einige wenige Beispiele auf. Die Liste könnte sie mühelos fortführen. „Wir finden es sehr gut, dass einige unserer Mitgliedsbetriebe gerne etwas ausprobieren“, sagt sie. Doch exotischen Sorten wie diese sind nicht jedermanns Sache. Mit Kräutern oder einem Schuss Prosecco im Eis macht man eher Erwachsenen eine Freude. „Kinder sind viel einfacher gestrickt“, weiß die Uniteis-Sprecherin. Ein Hörnchen mit einer Kugel Vanille, Schokolade oder Erdbeere und schon sind die Bambini glücklich.

Doch von den Exoten alleine könnte keine Eisdiele leben. Sie werden in kleineren Menge hergestellt und laufen vor allem gut in Städten mit vielen Touristen. Als Hochburgen des extravaganten Geschmacks gelten NRW, Bayern und Baden-Württemberg. „Die ausgefallenen Eissorten bilden einen Gegenpol zu den Klassikern“, erklärt Annalisa Carnio. Vanille und Schokolade stehen hier unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsskala – nicht zuletzt, weil sie „die Basis vieler Becher“ sind. Dahinter tummeln sich mit Stracciatella, Erdbeere, Haselnuss, Sahne-Kirsch (Amarena) und Mango einige alte Bekannte, die über die Jahre bestenfalls den Tabellenplatz gewechselt haben. Neueinsteiger tun sich schwer. Yoghurt hat es geschafft, was Annalisa Carnio mit „dem Trend zur Leichtigkeit“ erklärt. Im vergangenen Jahr konnten sich die Sorten Cookies und Zitrone unter den ersten Zehn platzieren. In diem Jahr haben Fior di Latte und Latte Macchiato sie allerdings aus den Top Ten verdrängt. „Der deutsche Konsument ist eher konservativ“, fasst die Pressesprecherin der Uniteis zusammen. Viel experimentierfreudiger sind ihre Landsleute aber auch nicht. „Beim Geschmack gibt es zwischen Italienern und Deutschen kaum Unterschiede“.

Bernd Lorenz
Quelle: Deutsches Handwerksblatt 08/12

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