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OPFER UND ENGAGEMENT ZUR RETTUNG UNSERES HANDWERKS

Für alle, die es noch nicht wissen, der neue Kurs für die Ausbildung zum Speiseeishersteller in Deutschland, der seit 2014 in den Berufsschulen angeboten wird, ist gebunden an eine Voraussetzung von grundlegender Bedeutung für sein Fortbestehen: die Evaluierungsphase. Es handelt sich um eine Probezeit mit einer Dauer von vier Jahren, an deren Ende die Initiatoren dieser Ausbildung vor dem Bildungsministerium belegen müssen, die vereinbarte Mindestzahl von 100 Auszubildenden und 100 Speiseeisherstellern mit AdA-Schein, die berechtigt sind Auszubildende einzustellen, erreicht zu haben.

Da die Zahlen nach der Hälfte der Zeit sehr gering sind, wird Uniteis von den deutschen Ministerien und dem ZDH dazu gedrängt, mehr Initiativen auf die Beine zu stellen, um diese Zahlen zu verbessern. Diesbezüglich hat Uniteis zum ersten Mal die Einladung zur Messe Gelatissimo Ende Februar in Stuttgart angenommen. Diese Teilnahme von Uniteis, die gleichzeitig Pflicht und Freude ist, wurde organisiert, um in einem neuen Umfeld vor Branchenmitgliedern das Thema der beruflichen Ausbildung und die Ausbildung zur Fachkraft für Speiseeis vorzustellen. Die Hoffnung ist dabei, neue Interessenten zu finden. Das Ziel ist, am Ende der Evaluierungsphase die gegenüber dem Ministerium übernommenen Verpflichtungen einhalten zu können. Sollten die vorgegebenen Zahlen nicht erreicht werden können, wird der Kurs für Speiseeishersteller aus den Berufsschulen herausgenommen und endgültig aus dem Handwerksverzeichnis gestrichen.

Sehen wir uns die Situation einmal genauer an: 2008 trat die erste Varianten des Kurses in Kraft, die eine Dauer von 2 Jahren vorsah. Nach vier Jahren der Evaluierung wurden aber die in den Vereinbarungen festgelegten Teilnehmerzahlen nicht erreicht. Anschließend wurde der Kurs neu aufgelegt und in der zweiten und einzig möglichen dreijährigen Variante angeboten, um seine Rettung doch noch zu versuchen. Von 2008 bis 2015 (in einem Zeitraum von 7 Jahren!) haben nur 50 Speiseeishersteller, die Mitglieder von Uniteis sind, den Kurs für den Erhalt des AdA-Schein gemacht und auf diese Weise ihr Eiscafé als geeignet für die Einstellung von Auszubildenden zertifiziert. Das sind praktisch nur 5% der Verbandsmitglieder. Fazit: Nur 5 % der Mitglieder von Uniteis sind daran interessiert gewesen, das eigene Eiscafé zu qualifizieren, das eigene Handwerk zu schützen und das Produkt Eis fit für die Zukunft zu machen und dabei zu versuchen, unsere Tradition gemäß den gesetzlichen Ausbildungsregeln des Landes, in dem wir arbeiten und leben, lebendig zu erhalten.

Wenn die Zahlen nicht weiter steigen und die restlichen 95% der Verbandsmitglieder weiterhin keinerlei Interesse zeigen, ist es klar, dass der Kurs für Speiseeishersteller und mit ihm das Berufsbild verschwinden wird.

Uniteis hat gehofft, mit der Teilnahme an der Gelatissimo weitere Speiseeishersteller für den Kurs zu interessieren. Die Gelatissimo ist eine junge Messe, die erst viermal stattgefunden hat und sich an ein jüngeres Publikum der Branche nördlich der Alpen wendet. Sie findet alle zwei Jahre statt und konzentriert sich auf eine Halle innerhalb der internationalen Messe Intergastra für innovatives Gastrobusiness. Auch wenn sie klein ist und noch in den Kinderschuhen steckt, so entwickelt sich die Gelatissimo doch zum Bezugspunkt nördlich der Alpen für einen neuen Besucher- und Ausstellerkreis, der nicht ausschließlich deutschsprachig ist. Daher hat Uniteis sich dieser neuen Herausforderung stellen wollen, um den deutschen Institutionen zu zeigen, dass noch nicht alles verloren ist. Vor allem hat man sich aber noch einmal und offiziell für die Rettung unseres Berufsstands einsetzen wollen, denn wir können uns das Chaos und die Konkurrenz auf allen Ebenen vorstellen, die das Fehlen eines Berufsbildes nach sich zieht.

Uniteis hat die Chance der Teilnahme an der Gelatissimo genutzt und die Eissorte des Jahres 2016 – Pistazie – vorgestellt, die anläßlich dieser Gelegenheit frisch vom Speiseeismeister Gianni Toldo und den Teilnehmern des Kurses für Speiseeishersteller der Berufsschule Justus von Liebig aus Mannheim, die als Besucher auf der Messe waren, gemacht wurde. Der Stand ist nicht nur für unsere messebesuchenden Mitglieder, sondern auch für Branchenpartner wie die Vertreter des BAV Instituts und der Messe Longarone zu einem Bezugspunkt geworden. Abschließend hat ein Vertreter von Uniteis an einem runden Tisch zum Thema “Die Zukunft des handwerklich hergestellten Speiseeises” teilgenommen.

Dr. Annalisa Carnio

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