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Artikel „Kandidat Laschet beleidigt Italiener“

Bezugnahme auf den in der „Bild“-Zeitung Ruhrgebiet veröffentlichten Artikel „Kandidat Laschet beleidigt Italiener“

Sehr geehrte Damen und Herren,
bezüglich des am 7. September 2010 in der Ruhrgebiet „Bild“-Zeitung publizierten Interviews „Kandidat Laschet beleidigt Italiener“ möchte Uniteis e.V., der Verband der in Deutschland handwerklich arbeitenden italienischen Speiseeishersteller, den Gelatieri, nachfolgende Erklärung abgeben:
Mit Entsetzen haben wir festgestellt, dass die Behauptungen von Herrn Armin Laschet über die italienischen Gelatieri in Deutschland (geäußert am 07.09.2010 im Interview zum 4. CDU-Duell in Iserlohn) sich durch Unkenntnis und Unkorrektheit auszeichnen.
Seine öffentlichen Äußerungen über die nachwachsende Generation der Gelatieri, einer Berufssparte, die seit mehr als 50 Jahren ein Beispiel für Arbeitsamkeit und Ernsthaftigkeit ist, sind nicht nur eine Beleidigung für diesen Berufstand, sondern schlichtweg völlig aus der Luft gegriffen.
Bei den italienischen Gelatieri handelt es sich um europäische Bürger, die in Deutschland seit mehreren Generationen arbeiten bzw. zum wirtschaftlichen Wohl des Landes beitragen.
Es wäre klug gewesen, hätte sich Herr Laschet zuvor darüber informiert, dass die Kinder der italienischen Speiseeishersteller schon mehr als drei Generationen nicht in Deutschland zur Schule gehen, sondern in Italien. Nach mehr als drei Generationen können 75% dieser Kinder Universitätsabschlüsse vorweisen, ohne Deutschland auf der Tasche gelegen zu haben. Die kleine Gruppe derjenigen, die in Deutschland zur Schule gehen, entstammen zweisprachigen Familien. Die Schulleistungen dieser Kinder an deutschen Gymnasien sind gemeinhin ein Beispiel für eine gelungene sprachliche und soziokulturelle Integration.
Dass Herr Laschet öffentlich behauptet , die Kinder der Gelatieri hätten Integrationsschwierigkeiten in Deutschland, wo doch gerade der größte Teil dieser während des Jahres bei der eigenen Familie in Italien lebt, beweist lediglich, wie ungenügend er vorbereitet ist und wie sinnwidrig seine Äußerungen zum Thema sind.
Seit 2008 wird in Deutschland die zweijährige Berufsausbildung zum Speiseeishersteller angeboten. Dabei trägt die Berufssparte der Gelatieri in Deutschland einen wichtigen Teil zur erfolgreichen beruflichen Integration bei, wie das bereits von der Staatsministerin, Frau Maria Böhmer, der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, am 17. Juni 2009 bei einer Pressekonferenz von ZDH in Berlin hervorgehoben wurde. Unter den Ausbildungsbetrieben sind wiederum viele italienische Eiscafés, die nach altem Vorbild die italienische Tradition der Eisherstellung pflegen. Unter den Auszubildenden sind Jugendliche verschiedenster Nationalitäten, die in Deutschland in der zweiten Generation leben.
ZHD Präsident Kentzler und Ministerin Böhmer haben bei der Pressekonferenz dieses Engagement unterstützt und dafür geworben, dass sich auch in anderen Berufssparten Unternehmer mit Migrationshintergrund verstärkt in der Ausbildung engagieren.
Wir bedauern es außerordentlich, dass Herr Laschet, in der Absicht, eine ausländische Minderheit in Schutz zu nehmen, eine andere Gruppe bzw. Berufssparte beleidigt.
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Herr Laschet einmal italienische Eisdielen besucht, wo inzwischen manche Kinder in der vierten und fünften Generation mit einem BWL-Abschluss den Betrieb ihrer Eltern und Großeltern führen. Die 60er Jahre, in denen die Gelatieri-Familien im Sommer nach Deutschland kamen, sind doch nun schon seit über 40 Jahren vorbei.

Dr. Annalisa Carnio
(Pressesprecherin)
Verband Uniteis e.V.

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