Handwerklich hergestellte Speiseeis

4 Minuten um 100 Gramm Eis

Es genügen 4 Minuten Arbeitseinsatz, um 100 Gramm handwerklich hergestelltes Eis zu kaufen

Die Warenwelt ist in den vergangenen 50 Jahren deutlich bunter geworden und wir können zweifellos uns auch mehr leisten als früher. Denn die Kaufkraft der Nettoverdienste ist seit den frühen Wirtschaftswunderjahren enorm gestiegen. Im Schnitt muss man heute nur ein Drittel so lange arbeiten, um den gleichen Warenkorb erwerben zu können wie 1960.

Heute geht es uns in puncto Wohlstand deutlich besser als vor 50 Jahren. Man hört immer mal wieder schwärmen, dass früher die Preise viel niedriger waren und eine Kugel Eis (50 Gramm) nur 20 Pfennig kostete – und tatsächlich haben sich die Verbraucherpreise seit 1960 fast verfünffacht. Aber man muss auch sagen, dass auch unser Einkommen in diesem Zeitraum gestiegen ist. Die Verdienste kletterten trotz höherer Steuern und Sozialabgaben nämlich deutlich schneller nach oben als das Preisniveau vieler Produkte.
Teilt man das Nettojahresgehalt einschließlich aller Sonderzahlungen durch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit, kommt man heute auf ein durchschnittliches Nettoentgelt in den alten Bundesländern von 16,00 Euro pro Stunde. Im Jahr 1960 betrug der Stundenlohn 1,30 Euro, also nur ein Zwölftel des heutigen Niveaus.

Unterm Strich hat sich die Kaufkraft der Nettoverdienste in den vergangenen 50 Jahren damit annähernd verdreifacht.
Dennoch kann sich heute schon aufgrund der unterschiedlichen Gehälter der Arbeitnehmer nicht jeder Einzelne exakt dreimal so viel leisten wie 1960. Hinzu kommt, dass auch die Kaufkraftentwicklung nicht für alle Produkte gleich verlaufen ist.

Lebensmittel. Für Brot und Butter müssen Verbraucher deutlich weniger arbeiten als früher. Die Kaufkraft der Nettolohnminute hat sich bei den meisten Nahrungsmitteln rund verzehnfacht. Für ein Pfund Kaffee zum Beispiel musste man anno 1960 etwas mehr als dreieinhalb Stunden arbeiten, heute ist ein Paket des Muntermachers bereits nach 18 Minuten erwirtschaftet. Auch zehn Eier sind heute im Schnitt bereits nach 8 Minuten erarbeitet; dafür brauchte man im Jahr 1960 sogar 51 Minuten.

Gebrauchsgüter und Energie. Ob Kleider, Anzüge oder Pumps: Modefreaks haben es gut, denn die Kaufkraft für Bekleidung und Schuhe ist überdurchschnittlich gestiegen – vor allem seit der deutschen Einheit. So kann man sich heute von seinem Nettostundenlohn rund ein Drittel mehr zum Anziehen kaufen als 1991. Gegenüber 1960 hat sich die Kaufkraft für Herrenanzüge und Damenkleider sogar vervierfacht.
Auch bei Energiegüter gibt es deutliche Kaufkraftgewinne. Während Verbraucher für einen Liter Normalbenzin 1960 noch fast eine Viertelstunde zu arbeiten hatten, reichen heute bereits 6 Minuten. Noch größer ist das Gefälle bei Geräten der Unterhaltungselektronik. Vor 50 Jahren mussten die Westdeutschen für einen einfachen Schwarz-Weiß-Fernseher rund 350 Stunden arbeiten gehen, heute sind es gerade mal 35 Stunden. Damit kann man sich sogar einen Flachbildfernseher kaufen.

Eis und andere Dienstleistungen. Ob Tageszeitung, Eistüte oder Haarschnitt: Für alle diese Sachen muss man heutzutage in etwa so viele Arbeitsminuten investieren wie vor 50 Jahren. Kein Wunder: Denn Dienstleister, wie die Speiseeishersteller, können ihre Arbeit nun mal oft nicht deutlich schneller erledigen als anno dazumal. Deswegen kosten das handwerklich hergestellte Eis und die Tageszeitung (proportional) genau soviel wie vor 50 Jahren. Im Jahr 1960 musste man für 100 Gramm (eine große Kugel) Eis im Schnitt 5 Minuten arbeiten; heute sind 4 Minuten für dieselbe Menge ausreichend. So dürfen wir sogar behaupten, dass das Eis heute billiger ist als vor 50 Jahren!

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